Freitag, 25. März 2022

ein langer Freitag


Der Tag läuft etwas anders als geplant, da berufliche Angelegenheiten dazwischen kommen.

Aber schließlich kommen wir dazu, in eine Mall zu fahren und den Einkauf zu erledigen. Die eigentlich geplanten organisatorischen Dinge an einem Terminal, das Kerstins Fingerabdrücke für ein anderes Formular registrieren soll, hauen leider nicht hin. Dafür braucht es dann nächste Woche neue Anläufe. Formulare…Formulare…

Das Einkaufszentrum ist riesig. Heute ist Freitag, also freier Tag und es sind jede Menge Leute unterwegs. Es ist Mittagszeit und es ist noch relativ leer. Je später der Tag, desto voller wird es. Sind sehr viele Familien unterwegs, die Frauen sind mindestens zu 80 % mit schwarzer Abaya bekleidet und tragen einen Nikab . Das ist ein dünnes schwarzes Tuch, was unter den Augen über Mund und Nase gebunden wird. Einen ganz engen Schlitz für die Augen entdecke ich eher selten. 


Dazwischen laufen aber auch einige Frauen mit offenen Abaya, die durchaus bunt gemustert sind, auch andere einfarbige kommen vor. 

Man sieht natürlich auch westlich gekleidete Frauen, das sind offenbar nicht nur Touristinnen, sondern nichtarabische Frauen die hier arbeiten. Weder Abaya noch Kopfbedeckung sind Pflicht.Man merkt, dass die Veränderungen vorankommen, aber Riad gilt als sehr konservativ, da dauert es den ein wenig länger. In Jeddah, an der Westküste,  soll man offener sein, dort soll das Bekleidungsbild bei Frauen wohl schon total bunter und offener sein.

Zu Kaufen gibt es fast alles, was es auch bei uns gibt. Die Preise scheinen mir vergleichbar, Einiges ist natürlich teurer, aber das Alltägliche, wie Gemüse und Obst zum Beispiel kommt mir preiswerter vor.






                                                             Süßes Gebäck geht immer!

                                               Trockenfrüchte und vor allem viele Dattelsorten

                                              eine kleine Auswahl an arabischen Kaffeebohnen

An den Kassen wird meistens alles von männlichen Angestellten in Plastiktüten gepackt. Die Nanny schiebt dann den Wagen. Manchmal machen das aber auch die Väter oder die Söhne. 

Kommt man, wie wir, mit grossen Tragetaschen, um Plastik zu sparen, so kann es beim einen oder anderen Aufpasser schonmal Diskussionen geben, da er sich noch nicht vorstellen kann, wozu man die braucht, wenn es doch so viele Plastiktüten gibt.

Aber auch Umweltschutz und Reduzierung von Plastikmüll stehen auf dem Zukunftsplan, genauso wie eine vernünftige Müllentsorgung. Derzeit wird absolut nichts getrennt, aber hier im Compound täglich abgeholt. Speisereste zum Beispiel können in ein grosses Loch in der Spüle geworfen werden. Dort werden sie per Knopfdruck zerkleinert und in das Abwasser gespült. In den Kläranlagen werden sie dann wahrscheinlich herausgefiltert und vielleicht dann auch wieder in den Kreislauf der Natur eingefügt. Aber genau weiss ich das nicht.   Recycling steckt wahrscheinlich noch in den Babypuschen. Es dauert. Wie eben überall auf der Welt…

Dann müssen wir uns beeilen, da wir noch in ein Restaurant wollen.

Es wird rasch dunkel, von der Dachterrasse aus kann man noch einen schönen Blick in die weitere Umgebung  werfen.

 Dann stehen wir auch schon im ortsüblichen Stau.

Alle Fahrten machen wir mit einem Unternehmen, das überwiegend die Leute hier im Compound fährt. Man ruft es ähnlich wie ein Taxi, es kostet auch vergleichbar viel, oder weniger. Der Nachteil ist, dass man häufig lange warten muss, bis es einen abholt. Die eigentliche Alternative Uber ist noch schwieriger, da sie die Fahrt zwar annehmen, dann aber absagen, weil sie nicht in die Compounds fahren mögen, in die man nur über Kontrollposten Zugang hat.

Und am schwierigsten ist es mit Taxen. Diese können zwar in guten Zustand sein und ein Taxameter haben, häufig ist jedoch nichts davon vorhanden, weder Gurt noch Taxameter, und der Preis schwankt, natürlich nur in eine Richtung, besonders wenn man als Nicht-Einheimischer einsteigt.

Die Wege hier in Riad sind sehr weit, die Straßen breit und lang. Fußgängerampeln wohl eher unbekannt. Man fährt ja mit dem Auto. 

Unendliche Staus zu bestimmten Zeiten sind an der Tagesordnung. Dann kann es auch vorkommen, dass der Fahrer einem mitteilt, dass er nicht kommen könne, er stecke im Stau. Der öffentliche Verkehr ist noch nicht ausgebaut. U-Bahn ist in Planung, einen Busverkehr, der auch für Touristen nutzbar scheint, gibt es noch nicht. Die Einheimischen haben in der Regel ihren Fahrer, lassen sich irgendwo absetzen und auch wieder abholen. Vor den Eingängen zu den Malls herrscht natürlich Gedränge. Die Einen werden gebracht, die Anderen wollen abgeholt werden und das möglichst schnell.

Große Wege zu Fuß im Freien sind eher nicht vorgesehen, dafür ist alles viel zu weitläufig. Außerdem lassen das die klimatischen Verhältnisse oft überhaupt nicht zu.

Wir erreichen das Restaurant , das sich eine eine Reihe von mehreren nebeneinander befindet. Alleine der Vorplatz ist sehenswert. Ein Springbrunnen, extrem hohe verzierte Türen aus Holz, tolle Beleuchtung, einfach genial gemacht.

Im Inneren sind alle Restaurants durch einen großen Gang, eher eine Flaniermeile verbunden.

So ein Restaurant  habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Alles ist aus Holz. Palmen sind aus Holzklötzchen zusammengesetzt, die ganzen Wände bestehen aus Holzscheiben, die Beleuchtung passend, ich kann es eigentlich gar nicht richtig beschreiben. Das kann man vielleicht besser in den Fotos erkennen.





Das Essen ist vorzüglich, und zum Abschluss gibt es den typischen arabischen Kaffee. Der hat mit unserem Kaffee wenig zu tun, ist eher gelblich. Er wird in einer traditionellen Kanne serviert, und man trinkt ihn in ganz kleinen Gläschen. Dazu werden Datteln serviert, die eigentlich zu jedem arabischen Kaffee gehören. 

Die Datteln haben aber absolut nichts mit den gepressten halb angetrockneten Früchten zu tun, die es häufig bei uns zu kaufen gibt. Im Supermarkt habe ich schon diverse Sorten gesehen. Auch Kaffeebohnen werden in vielen Variationen angeboten.

Ganz bestimmt gibt es auch für Kaffee und für Datteln Extrageschäfte mit exquisiter Auswahl.

Ich schaue mir den vorderen Teil des Restaurants genauer an. Ein Angestellter freut sich, dass ich die Lokalität so bewundere und gestattet mir in die obere Etage zu gehen. Er macht mir dazu extra das Licht an. Von dort hat man natürlich noch einen ganz anderen  Blick und kann sich auch noch selbst spiegeln.

Zum Schluss lässt er mir  noch einen Extra-Kaffee bringen. Was will man mehr?



Nach draußen in die Wärme geht es wieder durch die große Holztür. Die Temperaturen drinnen sind durchaus angenehm, es ist nicht eisgekühlt.

Zurück gleiten wir dann im abendlichen Stau. Um die Zeit werden die Restaurants erst richtig voll. Einheimische gehen oft noch lange nach 22:00 zum Essen.




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