Montag, 4. April 2022

Nichts als Katzen und Vögel...


Der 3. April ist ein Sonntag. Das saudische "Wochenende" ist rum, und André geht wieder zur Arbeit.

Ich denke erst mal nach, wie ich nun meine Zeit nun verbringen soll.  Lesen ginge ja immer, aber dazu bin ich nicht bis nach Saudi- Arabien geflogen. Am besten mache ich mir einen Tee...

Dann kommt Bewegung ins Leben.  Die Katzen schleichen um das Haus. Ihre Hierarchie untereinander ist klar geregelt und lässt sich durch die getönten Scheiben hindurch gut beobachten. Die Kleine, wie sie genannt wird, scheint sich besonders an dieses Haus gebunden zu fühlen. Sie ist besonders scheu, aber auch extrem wachsam.  

Sie nimmt jedes Geräusch wahr, das man macht, während man sie hinter dem verspiegelten Fenster beobachtet. Dann sucht sie die ganze Hauswand ab, ob sie etwas entdecken kann. Die anderen Katzen scheren sich nicht darum.


Am Hals hat sie eine sehr große Narbe, wie ein Überbleibsel vom Kampf um die Rangordnung.   Das Privileg, aus der Schüssel fressen zu dürfen, steht ihr nur zu, wenn keine Konkurrenz in der Nähe ist. Sie wartet geduldig, bis sie an der Reihe ist.



Während die Katzen sich satt fressen, schreitet die kleine Taube bereits ungeduldig auf und ab. 



Sobald die Luft rein ist, pickt sie das restliche Futter von den Fliesen auf und macht das Schälchen leer. Flattert sie vor Schreck schnell weg, wirft sie es dabei auch schonmal um.  




Hunde sind hier eine absolute Rarität. Sie gelten im allgemeinen als unreine Tiere, ähnlich wie Schweine. Gegenüber in der Strasse wohnt ein kleiner weisser Hund, den ich aber noch nie auf seinen eigenen Pfoten auf der Strasse gesehen habe. Wenn er mal vor die Tür kommt, dann wird er getragen. 

Außer Katzen gibt es noch 3 Vogelsorten, die ich gesehen habe.  

Gehört habe ich wahrscheinlich eher mehr. Denn während  meiner Rundgängen gegen Abend geben sie im Compound regelmässig Konzerte.

Ein meisenähnliches Exemplar kommt kurz vorbei, aber er lässt sich nur von mir sehr selten beobachten. 

Ein weiterer Vogel, etwas größer als eine Amsel, hat einen auffälligen gelben Ring um die Augen, ist für mich ebenfalls schwer zu bestimmen und sehr scheu. Er sitzt aber gerne mit seinen Kumpanen am Rande der Dächer und sie beobachten mich aufmerksam.



Zahlreich erscheinen mir nur die Tauben. Auch anhand ihrer Hinterlassenschaften auf den Wegen, Terrassen und Fenstersimsen kann ihren Spuren folgen.




Ob sie zur Familie der Lachtauben, Perlhalstauben oder  Palmtauben gehören, habe ich trotz kräftiger Hilfe von Freunden nicht herausbekommen können. Sie sind allgegenwärtig und lassen sich gerne in schmalen Fensterbrüstungen zum Brüten nieder.  Noch sind beide Eier da. ..

          



Gegen Abend verlasse ich doch noch das Haus und drehe eine Runde. Wie gewohnt, habe ich die Wege fast für mich alleine. Ich bin noch nicht überall gewesen, und so entdecke ich auch heute wieder schöne Ecken.







Die abendliche Sonne beleuchtet die hohen Palmen im älteren Compound so schön, dass ich mich dort am liebsten gemütlich niederlassen würde.




Jetzt ist Montag.  Ein neuer Tag... Heute habe ich mir eigentlich vorgenommen,  in das nächste erreichbare Geschäft zu laufen. Aber schon um 10:00 Uhr ist so heiß, dass ich es lieber sein lasse. Gegen 14:00 Uhr habe ich 39° im Schatten gemessen. Das ist mir eindeutig zu viel.

Gegen 17:00 Uhr kommen zwei junge philippinische junge Frauen, die das Haus sauber machen. Das Haus ist so groß, dass man dankbar sein kann, wenn man diese Hilfe bekommt.

Gegen 21:00 Uhr gehe ich dann doch noch an die frische Luft und drehe ein paar Runden im Compound.

Dabei muss ich aufpassen, dass ich mich nicht verlaufe, was mir ja schon einmal passiert ist. Wenn man dann niemanden findet, den man fragen kann und auch kein funktionierendes Telefon dabei hat, ist man aufgeschmissen.

Es ist niemand auf der Straße, und es kommt auch so gut wie kein Auto vorbei. Nach dem Gebet zum Sonnenuntergang, derzeit etwa 18:15 Uhr, setzen die Muslime sich zum Fastenbrechen (Iftar) zusammen. Das ist dann die erste Mahlzeit, nachdem sie ja vom Sonnenaufgang an weder Essen noch Trinken zu sich genommen haben, nicht geraucht haben usw.

Das Essen zieht sich wohl in die Länge. Auf jeden Fall ist gegen 21:30 Uhr das letzte Gebet des Tages. Genau danach kommen letztlich auch viel mehr Leute auf die Straßen, steigen in ihre Autos oder gehen zu Fuß irgendwo hin. Kinderscharen toben wieder draußen herum. Bei einem Haus in der Nachbarschaft stehen  schon mehrere große Autos vor der Tür. Dort ist offenbar ein größeres Zusammentreffen vorgesehen.  

In diesem Jahr sollen zum ersten Mal Schulen und dann Universitäten während  des Ramadans offen bleiben. Das bedeutet ja auch für die Kinder, dass sie vielleicht doch ein bisschen früher ins Bett gehen müssen. Ich nehme an, dass die Unterrichtszeiten für Schulen und Universität reduziert werden, genauso wie für viele muslimische Angestellte. 

Draußen sind es immer noch 33°. Aber die Luft ist angenehm. 

Leider funktioniert das Abspielen von Videos bei mir nicht. Es blinkt ja hier in allen Variationen, das hätte ich gerne eingefügt...



Drei junge Mädchen kommen gemeinsam mit einem jungen Mann aus einem Haus. Er verabschiedet. sich fix. Sie  tragen alle drei eine schwarze Abaya, Kopftuch und Mundschutz. Eine dreht sich, offenbar bestens gelaunt mit ihrer Abaya immer wieder im Kreis wie eine Tänzerin. Die andere schnappt sich ein Crossrad und düst wie der schwarze Blitz davon.



Ich hingegen schleiche nach Hause und gehe auch bald ins Bett. Hitze und Nichtstun machen müde. 

Wahrscheinlich träume ich heute von Katzen...






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