Nachdem es gestern nicht geklappt hat, mit meinem Fußweg zum Einkaufszentrum, verlasse ich heute gegen 9:20 das Haus.
Im ganzen Compound, ist fast niemand unterwegs. Ein Gärtner läuft durch die Gegend, den frage ich nach einer Abkürzung. Er hilft mir bereitwillig, und geht ein Stück mit mir zusammen. Wir treffen auf einen, ihm bekannten Arzt, der auch hier wohnt. Dieser bringt mich dann netterweise bis zum Kontrollhäuschen und sagt mir, dass weder beim Rausgehen, noch beim Reinkommen eine Kontrolle stattfinden würde und hat mir noch genau den Weg zum Supermarkt erklärt. Wenn ich mich immer nach dem Sonnenstand richten würde, können nichts schief gehen meint er.
Der Wärter im Wachhäuschen schläft tief und fest. Einige Leute kommen ohne Kontrolle hinein, und mich, die Exotin mit Schirm und Rucksack, bemerkt er gar nicht erst.
Vorbei an der King Faisal University und entlang hoher Mauern, die das Universitätsklinikgelände und auch den Compound umschließen, führt der Weg vorbei an Wohnhäusern hinter Mauern und an der Moschee, die man vom Compound aus ganz gut hören kann.
Danach ist auch schon die große Straße erreicht. Und gleich rechts beginnt das Areal mit den Geschäften Der Verkehr auf der grossen Strasse ist heute deutlich geringer als in den anderen Tagen, aber es fließt noch ordentlich. Ein Überqueren der Straße wäre lebensgefährlich und kein Autofahrer ist auf so ein waghalsiges Manöver gefasst.
Gegenüber sind sogar weitere Geschäfte, die bleiben aber unerreichbar, es sei denn man fährt mit dem Auto die Straße an ziemliches Stück und macht dann die Kehre.
Auf dem nächsten Parkplatz stehen einige Autos, was darauf hinweist, dass der Supermarkt wenigstens geöffnet hat. Die Temperaturen nähern sich vor 10:00 Uhr schon 30°.
Ich schaue mir überall im fast menschenleeren Laden das Angebot an. Die meisten Leute, die hier herumlaufen, füllen die Regale auf. Es gibt eigentlich beinahe alles, was es auch bei uns zu kaufen gibt. Wenn man es am Namen nicht erkennt, dann an der Aufmachung.
Ich erstehe ein paar Datteln. Die Auswahl ist groß und für mich schwer, da ich mich nicht damit auskenne. Bekannt ist mir nur mittlerweile, dass es riesige Unterschiede gibt und dass sie mir besser schmecken, als die, die man im deutschen Supermarkt bekommt. Ich frage eine saudische Frau, die mir bereitwillig auf Englisch Auskunft gibt und mich geduldig berät.
Genug abgekühlt begebe ich mich zur Kasse und mache mich auf den Heimweg. Ich spanne wieder meinen Schirm auf, um wenigstens nicht auch noch die pralle Sonne direkt auf dem Kopf zu haben.
Dieses kleine offenbar fensterlose Häuschen, was in die Mauer integriert ist, habe ich schon auf dem Hinweg gesehen. Vielleicht wohnt da der Gärtner. Auf jeden Fall sprudelte überall unter den Bäumen Wasser heraus, da scheinen Bewässerungsschläuche verlegt zu sein.
Auf meinem Rückweg standen sorgfältig abgestellt vor der Tür Schuhe, die Tür war offen und auf einem eisernen Bettgestell lag eine männliche Person und schlief. Vielleicht hat er hier sein Unterkunft, vielleicht ruht er sich aber auch nur nach getaner Arbeit ein bisschen aus. Weit und breit in der Straße ist sonst niemand zu sehen.
Hinter der Mauer befinden sich Wohnhäuser. Es wird einiges abgestellt an der Strasse, unter anderem auch ein Katzenbaum, und auf dem Hinweg standen da noch zwei Schalen mit Essensresten, von denen die Katzen offenbar schon die Hälfte gefressen hatten.
Am Wachhäuschen will ich locker vorbeigehen, rechne absolut nicht mit der nun folgenden Reaktion der beiden Wärter.
Sie wollen mich partout nicht reinlassen. Ich denke, sie stammen aus dem indischen Sprachraum, und ich habe immer schon Probleme, ihre englische Aussprache zu verstehen. Wobei der eine mehr versteht und deutlicher spricht, es immer dem anderen noch übersetzt. So geht das erstmal ständig hin und her.
Was ich hier überhaupt wolle. Ob ich einen Ausweis für das Gebiet hätte und so weiter. Dann habe ich ihm das gezeigt, was mein Sohn mir aufgeschrieben hat zum Vorzeigen, wenn sie mich kontrollieren . Damit können sie nichts anfangen. Sie diskutieren in ihrer Landessprache hin und her, dann werde ich wieder nach irgendetwas gefragt, was ich nicht verstehe.
Irgendwann haben sie es dann zum Glück mit mir aufgegeben, mich aber nicht etwa reingelassen, sondern den anderen Kontrollposten um Hilfe gebeten. Der versteht offenbar etwas schneller worum es geht und sagt, ich solle zu ihm kommen. Also Wachposten 1 ist immerhin überwunden.
Er erwartet mich in der prallen Sonne stehend. Ich bin schon ziemlich sauer und sage ihm, dass ich mich erst mit den Problemen befasse, wenn ich im Schatten stehe. Als „Elder Lady“ könne ich nicht in der Sonne stehen. Das hat er verstanden und akzeptiert. Was blieb ihm auch anderes übrig.
Danach geht aber wieder das gleiche Theater los wie zuvor.
Er fragt er nach meinem Pass, nach meiner Identity Card und irgendwelchen Papieren die ich habe oder nicht habe, ich verstehe nur Bahnhof. Dann reicht er. mich an einen sitzenden Posten in Häuschen 2 weiter, der an einem kleinen Tisch sitzt, mit dickem großen Buch vor sich, in das er Einträge vornehmen kann. Die Identity- Card meines Sohnes interessiert auch ihn nicht. Dabei könnte er ja bei seiner Abteilung anrufen, das sei eigentlich die gängige Möglichkeit. Alles irrelevant. Geht angeblich nicht. Mein Pass ist im Haus, der würde ihn auch interessieren. Irgendwann fällt das Wort Kawakallna. Zum Glück verstehe ich dieses Wort. Das ist die App, die man überall vorzeigen muss, wenn man in ein Geschäft geht. Sie wurde glaube ich extra eingeführt, um die Covidplage in den Griff zu bekommen.
Die habe ich natürlich auf dem Handy, das ist Pflicht für jeden hier in Saudi-Arabien. Ich zeige sie ihm und endlich ist er zufrieden. Er trägt meine Daten mit einem Stift in sein Buch sorgfältig ein, und ich darf gehen. Ich habe schon fast nicht mehr daran geglaubt. Das Dumme war, dass ich keine Möglichkeit hatte, selber anzurufen, da ich keinen Simkarte hatte. Das hätte man in einer langwierigen Aktion offenbar direkt nach der Ankunft am Flughafen erledigen können. Alle anderen Versuche, zB in Malls waren leider schiefgegangen. Wir hatten bislang noch keine Möglichkeit gefunden.
Offenbar geht es nur darum, die Identität festzustellen und dann aufzuschreiben, wo man hin will. Ob das aber richtig sicher ist? Ich kann ihm ja auch eine ausgedachte Adresse nennen. Aber dann hätte er wenigstens seine Pflicht getan, nehme ich an.
Ich bin voll damit einverstanden, dass hier strenge Kontrollen durchgeführt werden. Schließlich geht es ja um den Schutz der Bewohner des Compounds. Damit kann es aber nicht so weit her sein, wenn an einem Posten jemand fest schläft und Leute ein- und ausgehen können, ohne dass er sie wenigstens einmal anschaut. Warum ich nun dieser Kontrolle unterzogen wurde? Es kann vielleicht an meinem Aussehen mit Abaya, Schirm und Rucksack liegen. Das entspricht nicht ganz dem alltäglichen Bild hier. Niemand geht mit Schirm und Rucksack, schonmal gar keine Frau!
Und keiner hat gesehen wie ich rausging. Einer war nicht da und der andere schlief. Tolle Aufpasser!
Aber mir reicht das eine Mal! Ich sehe sowieso keinen Grund, nochmal zu den Supermarkt zu gehen. Bei der Hitze ist es wirklich kein Vergnügen, notfalls aber machbar. Leider macht der Supermarkt erst um 9:00 auf. Wenn man früher hinkönnte, wäre es ja noch etwas kühler. Lieber gehe ich die nächsten Tage im Compound herum und schaue mir die schönen Blumen an.
Als ich endlich am Haus ankomme, sind es schon wieder 35° im Schatten.























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