Dass Ramadan der Fastenmonat der Muslime ist, ist mir bekannt. Aber trotzdem weiss ich nicht viel darüber. Ich befinde mich jetzt nicht im sogenannten Christlichen Abendland, sondern in einem muslimischem Land mit deutlich konservativer Auslegung des Islam. Also nehme ich mir die Zeit, um wenigstens ein paar Infos zu sammeln.
Wir haben Samstag, den 2. April. Man schreibt das Jahr 1443 - nach dem islamischen Kalender , einem reinen Mondkalender. Der gregorianische Kalender (Sonnenkalender) nennt uns das Jahr 2022.
Nicht überall auf der Welt beginnt der Ramadan am gleichen Tag. Erst wenn man nach Neumond die dünne Mondsichel am Himmel sieht, ist der Beginn des Ramadan. Und die Mondsichel kann man in einem Land früher sehen, als in einem anderen Land Lichterketten werden an den Häusern aufgehängt, ähnlich wie bei uns an Weihnachten. Ausserdem sieht man ganz oft beleuchtete Halbmonde neben der Eingangstür. Die Mondsichel ist das Symbol auf vielen Moscheen.
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Für Nicht-Muslime galten in der Öffentlichkeit vor noch vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls strenge Regeln. Jetzt ist es allerdings so, dass ich zum Beispiel in einem Park etwas aus meiner Tasche holen und essen oder trinken kann, ich muss es nur nicht provozierend da machen, wo ich sozusagen unter Beobachtung stehe. Mehr habe ich dazu nicht herausfinden können. Sowohl ein muslimischer Mann, als auch eine Frau haben mir versichert, das sei kein Problem, ich sei ja schließlich keine Muslima. Klinikkantinen zB sind geöffnet, und keiner wird da gezwungen, seine Arbeit ohne Essen und Trinken zu verrichten.
Ob und wo auch in den Malls Cafés und Restaurants geöffnet sind, konnte ich nicht herausfinden. Wahrscheinlich halten sowieso nur sehr wenige Menschen danach Ausschau. Starbucks zum Beispiel, aber auch andere Läden geben im Internet teilweise volle Öffnungszeiten an, die aber so nicht stimmen. Steht man vor der Tür, liest man, dass sie erst nach 18:00 öffnen.
In Hotels mit Internationalen Gästen dürfte meiner Meinung nach keinerlei Probleme mit Restaurant- Öffnungszeiten haben. Drinnen in einem war ich allerdings nicht.
Der Tag vergeht für mich ab jetzt - aus unvorhersehbaren privaten Gründen - mit mehr oder weniger mit Nichtstun. Ich muss mich also neu sortieren, was kein Problem ist. Aber ich muss mich umstellen. Leider muss Kirsten noch heute Nacht wegen einer dringenden Familienangelegenheit nach Deutschland fliegen. Damit sind unsere Pläne für die nächsten Tage alle hinfällig geworden. Ich werde aber trotzdem wie geplant noch eine eine Woche bleiben.
Mal sehen, ob ich überhaupt etwas alleine unternehmen kann. Riad ist schon etwas anderes als das. was man gewöhnt ist, wenn man irgendwohin reist und sich alleine bewegen möchte. Erlaubt ist es natürlich, aber man muss ja erst mal hinkommen! Das wiederum ist schwierig, wenn man noch keine Simkarte hat, es keine brauchbaren öffentlichen Verkehrsmittel gibt, die Entfernungen groß sind und eine zuverlässige Regelung, wie ich in den Compound alleine wieder reinkomme, haben wir bis jetzt noch nicht. Raus ist natürlich kein Problem.
Eine Simkarte hätte ich nicht unbedingt gebraucht, da ich ja bislang immer in Begleitung war. Also hatte ich diesbezüglich auch keinerlei Infos eingeholt. Und schnell lässt sich schonmal gar nichts klären.
Für Gruppenreisende ist das kein Problem, da ist alles vom Veranstalter geregelt. Auch bei Menschen, die durch ihre Firmen hierher geschickt werden, welche schon lange hier tätig sind, ist Vieles über den Alltag bekannt und wird unter den Leuten flott kommuniziert. Bist du aber alleine hier und bei einem saudischen Unternehmen angestellt, dann dauert es, bis man sich bei Nachbarn und Kollegen durchgefragt hat, die vielleicht vor ähnlichen Hürden standen. Schließlich muss man auch noch seiner Arbeit nachgehen.
Wenn man mit einem Familienmitglied zusammen ist, ist es kein Problem, in den Compound reinzukommen. Natürlich müssen diejenigen sich auch jederzeit ausweisen können, es kann ja auch mal ein neuer Wärter an der Schranke stehen, der die Bewohner nicht kennt. Bekannte Gesichter werden durchgewunken.
Touristenvisa gibt es erst seit September 2019! Also seit genau 2 1/2 Jahren!
Insofern ist ja in dieser Gesellschaft ein gewaltiger Sprung gemacht worden, der in allen Köpfen vielleicht noch gar nicht verarbeitet wurde. Aber man spürt deutlich Offenheit und freundliches Interesse, gleichzeitig eine gewisse Zurückhaltung. Die liegt vielleicht auch im Wesen der Menschen.
Wenn man in Deutschland als Ausländer spazieren geht, wird man ja auch nicht an jeder Ecke gegrüsst und gefragt, ob man vielleicht helfen könne. Es interessiert sich niemand für dich. Etwas anders habe ich es eigentlich nur in Süd-Korea erlebt.
Das Visum zu erlangen und einzureisen, ist absolut kein Problem. Wenn man die richtigen Klicks am Computer macht, hat man das Papier innerhalb von Minuten ausgedruckt. Natürlich muss man auch eine Corona- Warnapp haben. Die heisst hier Kawakkalna und muss zwingend bei Betreten eines Geschäfts oder einer Mall vorgezeigt werden.
Covid ist leider dann als Reise/ Öffnungs-Bremse hinzugekommen, sonst wäre sicher Vieles schon bekannter, alleine durch die sozialen Medien, Reiseblogger usw. Bis heute gibt es ja auch noch keinen ausführlichen Reiseführer über Saudi- Arabien.
Mitbekommen habe ich, dass große Kreuzfahrtschiffe bereits in Dschidda Anker werfen und einige Sehenswürdigkeiten an der Westküste und im Westen des Landes besucht werden können.
Als ganz besonderes Highlight des Landes gilt die Oase al-'Ula im Nord-westlichen Teil von Saudi- Arabien. Es liegt an der Weihrauchstrasse, 400 km nordwestlich von Medina, noch immer innerhalb der Provinz von Medina. Dort befinden sich Gräber aus der Nabatäerzeit, ähnlich denen in Jordanien/ Petra.
Meine "Erlebnisse" der nächsten Tagen werden also wahrscheinlich mehr Alltag beschreiben und keine spektakulären Ausflüge. Aber langweilig wird mir sicher nicht werden!
Beim Übergang von den älteren Häusern zu den Palm Villas 4 muss man immer durch eine Mauer gehen, die von der Strasse zu den Häusern durchschnitten wird. Da der alte Bereich des Compounds ummauert war, hat der neuerbaute Wohnbereich natürlich auch eine Mauer bekommen müssen. Ein bisschen kommt es mit vor, wie die aufgebrochene Berliner Mauer.
Dazu passt auch das Wachhäuschen, das sinnloserweise die Terrasse unseres Hauses schmückt und nicht weichen will. Es war wohl einmal dazu gedacht, von dort aus den Zugang zum Universitätsgelände, oder dem schmalen Weg zwischen beiden ummauerten Arealen überwachen zu können.
Aber hier gibt es nichts zu überwachen. Das eingebaute Tor ist fest verschlossen. Das Häuschen hat bislang allen Versuchen widerstanden, es loszuwerden. Es ist nachts sogar beleuchtet. Dann sieht man drinnen besonders schön den klapprigen Stuhl mit eingestaubter Decke. Manchmal schieben Kinder das Fenster auf. Eine abendliche Kontrollpatrouille rückt dann schonmal an, um es wieder zuzumachen.
Die Hoffnung wurde aber noch nicht aufgegeben, dass das tonnenschwere Wachhäuschen eines Tages abgeholt wird!
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